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Deutsches Atlantikwall-Archiv
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Der Atlantikwall in FrankreichStand 22.05.2009 Im Gegensatz zu Belgien kann man in Frankreich noch etliche Reste des Atlantikwalls finden.
Der am stärksten befestigte Abschnitt war der
Pas de Calais zwischen der belgisch-französischen Grenze östlich von Dünkirchen bis
nach Boulogne.
Im Bereich der Hafenstädte Dünkirchen, Calais und Boulogne wurden
die meisten Bauwerke mittlerweile entfernt. Vor allem an den
Strandpromenaden und in den Häfen erinnert nichts mehr an die flächendeckende
Bebauung mit Verteidigungsanlagen.
Die Strände der Picardie lagen ebenfalls nicht weit von England entfernt und im Gegensatz zu den häufigen Steilküstenabschnitten im Bereich zwischen Boulogne und Calais wäre hier eine alliierte Landung immer noch denkbar gewesen, weil die Landeverhältnisse für kleine Schiffseinheiten recht günstig waren.
Viele Bauwerke, ja, ganze Stützpunkte und Batterien, wurden erst in den letzten 20 Jahren entfernt.
Hier wäre also bei Fahrten längs der Küste ein Schwerpunkt zu setzen, bevor
die noch vorhandenen Bauwerke ebenfalls geräumt werden.
Infolgedessen wurden zwar Le Havre und Cherbourg
festungsmäßig gesichert, die weiten Strände Frankreichs jedoch relativ dazu
vernachlässigt. Gleiches galt für die Normandie. Noch einigermaßen in nutzbarer
Distanz zu England gelegen, beschlossen die Alliierten, in der Seine-Bucht ihren
Angriff auf Westeuropa durchzuführen. Der Bereich der südlichen Seine-Bucht bis nach Cherbourg wird
daher durch die
alliierten Landungsstrände SWORD, JUNO,
GOLD, OMAHA
und - von der Vire-Mündung
unterbrochen - UTAH charakterisiert. Hier dürfte sich wohl
die größte Konzentration von Militärmuseen
zu
einer gleichen Thematik befinden. Es ist daher kaum verwunderlich, daß sich
hier die meisten Militärtouristen in Frankreich tummeln. Die französische
Administration tut ein übriges dazu und vernichtet
Dekade für Dekade ein Stück naturbelassene Normandie.
Da der Pas de Calais mit Dünkirchen, Calais und Boulogne als Ausschiffhäfen als Hauptlandezone angenommen wurde, war im Juni 1944 der Atlantikwall in der Normandie längst nicht fertiggestellt. Es wurde jedoch mit Hochdruck daran gearbeitet, diesen Mangel auszugleichen, da man mit der Normandie immerhin sekundär als mögliches Landegebiet kalkulieren mußte. Schließlich boten sich hier Le Havre und Cherbourg als leistungsfähige Hochseehäfen an. Dem Reisenden fällt die hektische Bautätigkeit durch die Vielzahl unfertiger oder behelfsmäßiger Bauwerke an den Landungsstränden auf. Die Westküste des Cotentins ist durch den großen Tidenhub der Bucht von St. Malo denkbar ungeeignet für eine Landung. Dementsprechend gering ist der Durchsatz an Befestigungsanlagen. Lediglich größere Hafenstädte (Carteret, Granville) wurden gegen Kommandounternehmungen gesichert.
Vor allem Teile der 77. Infanteriedivision unter Oberst Bacherer im Verbund mit Festungsstammeinheiten hielten längere Zeit nicht nur an der Landfront bei Cancale und Dinard stand, sondern verteidigten auch ihre
Panzerwerke an den taktisch wichtigen Punkten rund um die Festung, bis sie - zuletzt in der Zitadelle von St. Servan zusammengedrängt - letztendlich doch kapitulieren mußten.
Die südliche Bretagne wartet mit ihren U-Bootstützpunkten Brest, Lorient und St. Nazaire auf, die vor allem seeseitig stark gesichert waren. Entsprechend ihrem frühen Status als Festungen wurden alle drei Städte auch gegen Luftangriffe gesichert. Hier kamen etliche schwere Flugabwehrabteilungen zum Einsatz, deren Leittürme vor allem in St. Nazaire sehenswert sind. Die Spezialität von Brest ist die Nutzung alter und die Anlage neuer Hohlgangssysteme, deren Zugänge an den Steilufern des Hafen-, des Werftgeländes und des Penfeld liegen. Fast alle diese Hohlgangsanlagen sind heute noch in Nutzung durch das frz. Militär und somit für die Öffentlichkeit gesperrt. Lorient als Sitz des BdU (Befehlshaber der U-Boote auf der Halbinsel Kernevel) wurden infrastrukturell andere Prioritäten zuteil. Hier war das Befehlszentrum für die Schlacht im Atlantik mit den vielen unterschiedlichen untergeordneten Dienststellen, die alle gegen Luftangriffe bombensicher untergebracht werden mußten und sich in der ganzen Stadt verteilten.
Die Vendée besitzt zwar hervorragend für Anlandungen geeignete Strandabschnitte, war aber strategisch gesehen von nicht großer Bedeutung. Außerdem war der Anmarschweg alliierter Landungstruppen von Großbritannien aus nicht nur weit entfernt, sondern von den U-Flottillen der Atlantikstützpunkte
flankierend gedeckt. Der Ausbau des Atlantikwalls beschränkt sich hier auf stranddeckende Widerstandsnester.
Festungstechnisch interessant ist dann wieder die Festung La Rochelle. Neben der üblichen Seefront (hier unterteilt in einen
Nord- und einen Südabschnitt), einer stellenweise recht gut ausgebauten Landfront und den Stützpunkten rund um die
U-Boot-Basis La Pallice, zeichnet sich die Festung vor allem durch die Eingliederung der beiden Inseln Ré und Oléron in das Verteidigungsdispositiv aus. Die Festung La Rochelle bildet so eine der größten Atlantikfestungen.
Bis zur südlich anschließenden Festung Gironde Nord besteht die Landschaft hauptsächlich aus dem Mündungsdelta der Charente und anderer Flüsse mit einigen kleinen vorgelagerten Inselchen.
Im II. Weltkrieg konnte man, im Gegensatz zu früheren Epochen, größtenteils
darauf verzichten, das Terrain
mit Ständigen Anlagen auszurüsten. Man sah die Gegend als nicht landegefährdet an und die Bucht zwischen La Rochelle und Ronce-les-Bains
wurde durch die Batterien auf Ré und Oléron
auch hinreichend gedeckt. Warum dann bei Biarritz wieder eine Massierung von schwerer Artillerie, verbunden mit den notwendigen Bauwerken, stattfand, scheint jeglicher strategischer Grundlage zu entbehren.
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